13.02.19 Kanarische Fischer vor der Küste Afrikas

Kanarische Fischer lassen die Sektkorken knallen!

Das neue Fischereiabkommen der Europäischen Union mit Marokko steht. In den kommenden Jahren zahlt Europa mit 52 Millionen Euro deutlich mehr als die bisherigen 40 Millionen an den marokkanischen Staat, damit europäische Fischer vor dessen Küsten fischen gehen dürfen – vor den Küsten Marokkos und den Küsten von West-Sahara, einem von Marokko 1975 besetztem Territorium an der Grenze zu Mauritanien.

Langleinenfischerboot mit Bojen

Erfolgreiche Politik?

Auf ihrer Seite stellt die Union lediglich heraus, dass nun für die Fischer besondere Regelungen gelten, was die Fangmengen angeht und erweckt so den Eindruck, man mache eine restriktive Politik. Tatsächlich sind die Fangmengen deutlich erweitert worden, wie man aus der spanischen Presse entnehmen kann.

Nun dürfen 128 europäische Schiffe fischen, davon 92 spanische (22 Ringwadenfischer, 25 „artesanale“ Langleinenfischer auf Grund im Norden, 10 im Süden, 12 Tiefseeschlepper, 23 Angelfischer für Thunfische). Ausserdem werden die Fangmengen von bisher 60.000 Tonnen auf 85.000 Tonnen im ersten, 90.000 im zweiten und 100.000 im driten und vierten Jahr erhöht.

Rechtliche Problematik:

Um die in diesem Artikel von uns herausgearbeitete rechtliche Problematik hinsichtlich der Nutzung der besetzten Gewässer West-Saharas gar nicht erst in den Aufbau des Abkommens einfliessen zu lassen, haben nun eine grosse Mehrzahl der Mitglieder des Europäischen Parlamentes (410 gegen 189 bei 36 Enthaltungen) gegen die Befragung des europäischen Gerichtshofes ausgesprochen, der im vergangenen Jahr befunden hatte, dass in dem Abkommen die Gewässer der Westsahara gar nicht erwähnt werden und dass das Abkommen deshalb gültig bleibt. Und das, obwohl die kanarischen Fischer angemerkt hatten, dass die Küste Marokkos sie gar nicht interessiert, 90 % der Erträge kämen aus den Gewässern der West-Sahara.

Realität:

traditionelle Fischerboote in Mauretanien an der Grenze zur Westsahara

In der Realität bedeutet das auf der einen Seite, dass die Europäische Fischereipolitik zwar in europäischen Gewässern einer „vernünftigen“ Leitlinie folgt, die fehlenden Fischereierträge aber dafür woanders illegal einkauft! Auf der anderen Seite wirft es ein klares Licht auf die Ansprüche, die die Mitglieder des Europäischen Parlaments bezüglich des Völkerrechtes tatsächlich vertreten.

Bedeutung für die Kanaren:

Von den Kanaren aus fahren die spanischen Boote in die afrikanischen Gewässer. Der Hafen von Las Palmas ist der grösste Umschlagplatz. In La Gomera kann man nur sehr gelegentlich Langleinenfischerboote, wie das oben im Bild beobachten. Wir sind zu weit von der Küste Afrikas entfernt.

Echo in der deutschen Presse: Zero

Die am besten ausgearbeitete Notiz dazu in den deutschsprachigen Medien ist übrigens diese, vom Deutschlandfunk.