Die Wasserqualität an unseren Küsten wurde oft mit mangelhaft arbeitenden oder nicht vorhandenen Kläranlagen in Zusammenhang gebracht. Auch die EU hat Spanien nun in dem Zusammenhang verurteilt. Jetzt wird es Zeit für ein paar wichtige Infos für Gäste im Tal, die gerne Baden gehen!
Meine Quintessenz schicke ich gleich vorweg: An den Küsten von Valle Gran Rey kann man fast immer sauber baden gehen. Es gibt aber ein paar Tage im Jahr, an denen man genauer hinschauen sollte, an bestimmten Punkten.

Warum ich meine, mich bei diesem Thema aus dem Fenster lehnen zu müssen? Seit 2011 versuche ich regelmässig, problematischen Situationen im Tal nachzugehen und ich bin „vorbelastet“: zum Einen habe ich 1998 meine Diplomarbeit über Abwassereinleitungen und ihre Auswirkungen im Süden Teneriffas gemacht, zum Anderen arbeite ich für die Kanarische Regierung im Monitoring der Schutzgebiete der EU, auch an der Küste, und zum Dritten bin ich ganzjährig bei der Durchführung meiner Exkursionen oder zum Baden mit grosser Regelmässigkeit an der Küste unterwegs und führe über Veränderungen in der Artenzusammensetzung der Fauna am Charco de La Condessa Buch! Dazu schaue ich gelegentlich in die Datenblätter der Probenentnahme vom Gesundheitsamt.

Wer tatsächlich mal die Einleitung von Abwasser oder das Vorhandensein von Fäkalien im Wasser beobachten kann, den bitte ich um eine Meldung bei mir. In dem Fall, dass ich das bestätigen kann, verspreche ich, dass ich die entsprechenden Schritte einleite. Aber ich kann euch schon jetzt sagen: es gibt viele Situationen, die nur so aussehen als ob. Ihr solltet also zumindest gelesen haben, was hier steht.
In diesem Teil I gehe ich auf Schwachstellen ein und stelle heraus, was meiner Meinung nach nicht im Sinne der Badegäste läuft. Im Teil II komme ich zu den Situationen, die uns in die Irre führen können (und mich schon ein Dutzend mal in die Irre geführt haben), aber nur durch natürliche Prozesse ausgelöst werden, ohne zumindest direkten Bezug zu Abwässern.
1) Die bestehende Kläranlage arbeitet nicht auf dem Optimum
Ich bin kein Kläranlagentechniker, sondern Biologe. Die Kläranlage von Valle Gran Rey habe ich nie von innen gesehen, mein Wissen über die Prozesse dort stammt aus der Umweltverträglichkeitsstudie und dem, was ich von aussen einsehen kann.

In der hiesigen Kläranlage werden die Abwässer einer Reinigung in zwei Stufen unterzogen. Nach der Stufe 1. der Filtration und Sedimentation wird 2. eine biologische Reinigung durchgeführt. Bei dieser arbeiten Bakterienkulturen an der Zersetzung der organischen Bestandteile. Dafür benötigen sie eine grosse Menge Sauerstoff, der über Rührwerke zugeführt wird, die den auflaufenden Brei ordentlich aufschäumen. Im Vergleich zu einer in Deutschland üblichen Klärung fehlt die 3. Stufe, die der chemischen Reinigung. Abgesehen davon laufen die Rührwerke meiner Erfahrung nach aber auch nicht kontinuierlich, was dazu führen kann, dass die Bakterienkulturen nicht auf ihrem Optimum arbeiten, wenn ihnen etwas zugeleitet wird. Und das sagt noch nichts über den Gehalt an Arznei-, Lösungs-, Putz- und Waschmitteln, Ölresten, etc…, die ebenfalls in den Haushaltsabwässern zur Kläranlage gebracht werden und für die diese nicht eingerichtet ist.

Die so gereinigten Abwässer werden auch von den hiesigen Landwirten ungern zur Bewässerung eingesetzt, ein Biobauer würde seine Lizenz verlieren, sollte er sie nutzen. So werden die übrigens offiziell gut aufbereiteten Wassermengen zum Teil „ungenutzt“ in den Untergrund verklappt. Dort vermischen sie sich mit dem Grundwasser und sickern langsam, unter weiteren natürlichen Reinigungsprozessen, Richtung Meer. Die offizielle Lizenz der Gemeinde dafür reicht bis zu 288000 Kubikmeter im Jahr. Ein Punkt, an dem das „gereinigte“ Wasser verklappt wird, liegt direkt nördlich der Kläranlage zwischen den Felsen und ein anderer direkt neben der Zufahrt, beide liegen oberhalb des Strandes (in der offiziellen Darstellung bei dem kleinen grünen Punkt in Bild 4).

Die am Ende des Klärprozesses entstehenden Faulschlämme landen seit etwa drei Jahren nicht mehr neben der Kläranlage im Landschaftspark (Bild 5 aus 2021), sondern werden auf die Deponie vor San Sebastian gebracht. Möglicherweise befinden sich noch Reste der Schlämme im Untergrund, aus denen bei starkem Regen ebenfalls Bestandteile ins Grundwasser gefiltert werden.
Es ist möglich, dass das Grundwasser unterhalb, also direkt an der Playa del Inglés, eine leicht erhöhte Nährstoffmenge oder andere unerwünschte Substanzen enthält. Vor allem bei Ebbe würden sich diese ins Meer filtern.

Als Mass für die Dimension der Problematik kann uns das Vorkommen von Bakterien dienen, denn hier werden mittlerweile regelmässig Kontrollen an den Stränden durchgeführt. Wer sich einen Überblick verschaffen will, schaut im Visor des Gesundheitsamtes auf die entsprechende Seite, siehe Bild 2. Klickt man auf die Marke am jeweiligen Strand, öffnet sich ein Fenster. Klickt man hier wiederum auf „I. Sanitaria“, kann man sich die Daten als pdf runterladen (Descargar informe) oder auf „ampliar información“ klicken und nachlesen. Ich warte noch darauf, mal eine kritische Situation bei den Bakterien an diesem Strand zu finden, bisher ohne „Erfolg“. Und an der Küste habe ich ausser ein paar Grünalgen keine Hinweise auf höhere Nährstoffkonzentrationen gesehen. Wenn tatsächlich ganze erkennbare Fäkalien irgendwo herumschwimmen, ist das jedenfalls nicht auf die Kläranlage zurückzuführen, schliesslich ist das Wasser (vor-) geklärt. Aber auch andere Konsequenzen dürften nur sehr schwach zu spüren sein, zu lang filtert es sich durch den Untergrund, zu gross ist bei diesen Strömungen und Wellen die Selbstreinigungskraft.
2) Neue Kläranlage

Die Situation soll durch die Einrichtung der geplanten neuen Kläranlage deutlich verbessert werden. Laut der Aussage (mündliche Kommunikation) des zuständigen Technikers der angeheuerten Baufirma soll die Leistung dieser, relativ kostengünstig, ein hochwertiges Produkt hervorbringen (8 auf einer Skala von 1-10), mit dem der Biobauer dann auch seine Felder giessen kann. Für die nach Planung bereits seit Dezember 2024 in Bau befindliche neue Anlage ist der Betrag von 6 Millionen Euro vorgesehen. Leider kann man noch nicht wirklich was von Baumassnahmen sehen.
2) Leitungssysteme sind suboptimal

Wer sich ein bisschen auskennt, weiss, dass am Kreisverkehr in Vueltas und am Ende der Strandpromenade von Playa Calera zwei Pumpstationen dafür sorgen, dass die in der Umgebung anfallenden Haushaltsabwässer zur Kläranlage gepumpt werden. Beide werden im Sonderfall als Überläufe verwendet, wenn sie nicht mit den zugeleiteten Mengen klarkommen, deshalb sind sie in der Karte der Abwassereinleitungen im „Visor de Grafcan“, dem offenen Portal der Kanarischen Regierung, als rote Punkte markiert, als „nicht autorisierte Abwassereinleitungen“. (Wer die Punkte anklickt, gelangt zu den jeweiligen Datenblättern mit Fotos.)

Das bedeutet, dass dort nur grob gesiebtes Abwasser (aguas de desbaste) herauskommen kann, wenn bei Starkregen zuviel Wasser ankommt (de exedencia-emergencia) und die Wasserkreisläufe nicht mehr trennbar sind. Ich hab das nur einmal in all den Jahren in Vueltas gesehen. Für diese Pumpstationen gibt es keine Lizenz, vielleicht ist das auch nicht möglich, da eine solche sich auf eine bestimmte Menge Wasser beziehen muss.
Der grüne Punkt in Bild 8 steht für eine lizensierte Einleitung für Regenwasser bei Starkregen, unterhalb vom Kreisverkehr von Vueltas. Der gelbe Punkt in dieser Darstellung bildet einen Ablauf vom ihm nächstliegenden Pool ab, gechlortes Wasser könnte man da erwarten, gesehen hab ich nie etwas.

An keinem dieser Punkte habe ich über einen längeren Zeitraum etwas negatives finden können! Allerdings sollte jedem klar sein: die problematischen Zonen sind immer die austauschärmeren Bereiche, zB. der Hafenstrand und Charco del Conde bei Niedrigwasser. Dort sind in den Sommermonaten die Wellenbewegungen nicht in der Lage, ausreichend Selbstreinigungskraft aufzubringen und es ergeben sich, bei teilweise grossem Zustrom von Badegästen, Situationen wie an den von der EU auf Teneriffa kritisierten.
3) Hafenstrand
Am Hafenstrand werden nicht nur gelegentlich grössere Mengen Blaualgen eingespült wie auf Bild 1. Die dort festgemachten Boote, die gelegentlich gleich dort oder auf dem Trockendock geschliffen, gereinigt oder lackiert werden, bilden eine ständige Quelle von Farben, Lacken, Mikroplastik und Öl (siehe Bild 10).
Auch der Eintrag organischen Materiales, sei es durch Fischer, Touristen oder Restaurantbetreiber, oder natürlich durch die teilweise massenhaft auftretenden Badegäste, ist nicht zu verachten. Jedenfalls bilden sich beinah regelmässig im Sommer grüne Algenansammlungen, die neben der Überdüngung auch auf einen erhöhten Bestand an Bakterien hinweisen könnten.
Auch hier empfiehlt es sich, alle Sinne zu befragen, bevor man an einer solchen Stelle ins Wasser geht.
Solche Situationen sind allerdings eher Sonderfälle und sollten aus meiner Sicht auch so behandelt werden.
4) Charco del Conde

Dieser Nährstoffeintrag durch Badegäste steht dann auch in Relation mit meinem letzten Hotspot, dem Charco del Conde. Je nach Wasserstand oder Grösse der Wellen kann man hier gefahrlos planschen, vor allem für Kleinkinder ein Paradies. Allerdings sollte man sich auch hier umschauen, mit wie vielen Artgenossen man sich das Habitat gerade teilen möchte. Nicht wenige scheinen zumindest nicht nur die kühlenden Eigenschaften des Wassers zu nutzen, oder zumindest legen das die Daten aus dem vergangenen Sommer nah. Im August 2025 habe ich, wie oben bei Bild 6 beschrieben, die entsprechenden Analysen aufgerufen und war echt sprachlos.

Nicht nur übertraf die Menge an Enterokokken die weiter unten für gute oder ausreichende Qualität aufgeführten Standardwerte, in der Bewertung wurde trotzdem die Wasserqualität als „excelente“ eingestuft. Auch in der Gesamtbewertung des Jahres erscheint dieser offensichtlich hohe Wert nicht. Für mich stellen sich hier einige Fragen, zum Beispiel ob sich überhaupt jemand die Werte ansieht. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich nicht der Einzige wäre …. Natürlich kann es sich bei dem Wert um einen „Aussreisser“ handeln, einen nicht repräsentativen Wert, der auf einen Fehler zurückzuführen ist. Trotzdem wäre eine für mich schlüssige Konsequenz, darüber zu informieren und vor einer möglicherweise verschlechterten Qualität zu warnen, um dann neue Proben zu nehmen, welche das Gegenteil belegen sollen.
Bisher habe ich den Punkt nur mit den für das Meer zuständigen Technikern angesprochen und eine Antwort steht noch aus.





