Im ersten Teil der Beiträge zur Wasserqualität in Valle Gran Rey hab ich die existierenden Schwachpunkte angesprochen, heute geht es um Situationen, die scheinbar auf Abwasser am Badestrand hinweisen, sich aber auch anders erklären lassen.
Natürlich können die hier angesprochenen Phänomene auch mit ungenügender Wasserqualität zu tun haben, in diesen Fällen hatten sie andere Gründe.
Vermeintliche Hinweise auf schlechte Wasserqualität:
Schaum

Schaum an der Küste oder auf dem Wasser, selbst in grossen Mengen, bedeutet nicht, dass hier Abwasser eingeleitet wird. Schon das vom Boden aufgewühlte organische Material, gerade bei sehr grossen Wellen, deren Aktion sich bis in grosse Tiefe auswirkt, reicht aus, um an der Oberfläche, bei den dort Waschmaschinen-ähnlichen Bedingungen, die Bildung von Schaum zu ermöglichen. Das kann erstaunliche Ausmasse annehmen, wie im Bild 2 oben oder im Bild rechts. Wenn Sie das interessiert hier mehr dazu.
Die an der Nordsee auftretenden Probleme mit PFAS haltigem Schaum sind hier noch nicht gemeldet worden, aber auch andere im Meer vorhandene Schadstoffe können in ihm konzentriert vorliegen. Ein sinnvoller Ansatz wäre Vorsicht walten zu lassen, vielleicht sollte man Schaum wie das Wasser in Pfützen behandeln, bei denen man auch nicht weiss, was drin ist.
Braunes Wasser

Oft genug sehe ich Hinweise auf angebliche Abwassereinleitungen die mit solchen Bildern belegt werden. In dem Fall ist es wirklich eindeutig, es gibt keine Rohrleitung, die dort einmündet. Die eventuell dort durchsickernden Wässer aus der Kläranlage enthalten keine Sedimente und sind als solche klar. Bei starken Regenfällen werden auch grosse Mengen Sedimente ins Meer gespült, die längere Zeit in Lösung bleiben. Manchmal bilden sich lange Fahnen braunen Wassers, die sich an der Küste entlang in Strömungsrichtung bewegen.

Abwassereinlauf entdeckt?
Wer zwischen Charco del Conde und Charco de La Condesa an der Promenade über die Kante schaut, findet dort ein etwas verstecktes Rohr, durch das gelegentlich Wasser aus der nächstgelegenen Gartenanlage läuft. Dabei handelt es sich nicht um Abwasser, auch wenn immer mal wieder Samen exotischer Pflanzen ins Schutzgebiet Charco del Conde gespült werden.
Tote Fische oder Garnelen am Strand

Wenn ich tatsächlich mal tote Fische an der Küste oder an der Wasseroberfläche gefunden habe, gab es immer eine kuriose Geschichte dahinter, aber kein Abwasser. Ob das Schnepfenfische oder Kugelfische waren, die in grosser Zahl an der Oberfläche trieben, kleine Haie zwischen Puntilla und Playa, oder Garnelen am Hafenstrand. Das soll überhaupt nicht heissen, dass da kein Zusammenhang bestehen kann, nur habe ich bisher hier keine solche Situation beobachtet.

Die Schnepfen und Kugelfische wurden von Delfinen so drangsaliert, dass sie an Stress starben (Schnepfenfische) oder aufgeblasen und hilflos an den Strand gespült wurden (Kugelfische). Die jungen Glatthaie werden bei ihren Erkundungsausflügen ins flache Wasser von den Wellen an Land gespült und in einer extrem seltenen Situation hat sich ein in einem Nährstoffreichen Strömungswirbel gefangener Schwarm Krill ins Hafenbecken spülen lassen. Der kommt sonst eher vor der afrikanischen Küste vor.
In keinem Fall konnte ich irgendeinen Zusammenhang mit Abwässern erkennen.
Algen

Meist werden nur bei den ersten Herbststürmen, bei dem dann entstehenden grossen Seegang, die im lichtreichen Sommer gewachsenen Algen vom Untergrund abgerissen und an die Küste gespült. Je nach Länge der Ruhephase und Grösse der Wellen können das ganze Algenberge sein, die schon bald am Strand beginnen zu verrotten und entsprechende Gerüche zu verbreiten. Das ist ein ganz normaler zyklischer Prozess, der in all den von mir beobachteten Fällen nicht in Zusammenhang mit einer übermässigen Düngung des Wassers stand.

Bei ganz besonderen Gelegenheiten kommen aber auch hier nur selten lokal lebende Arten von Algen plötzlich in Massen vor, vermehren sich eventuell noch vor unseren Inseln und werden bei auflandigen Winden an Land gespült.
Dabei handelt es sich zum einen um die sogenannten Mikroalgen, Blaualgen oder Cyanobakterien (Trichodesmia sp.), die hauptsächlich nach langanhaltenden Ostwetterlagen (Calima) hier stranden. Diese Blaualgen sind sogar viel besser als andere Algen in der Lage, mit geringer Düngung des Wassers auszukommen, auch hier kann man nicht sinnvollerweise die mangelnde Klärung des Wassers geltend machen, auch wenn das 2018 so geschehen ist.
Im Juni 2024 endeten ganze Berge der Sargasso-Tange am Strand. Eine besondere Strömung hatte die Algen aus der Sargassosee hinausgeführt. Eine generelle Überdüngung des Atlantiks kann dabei eine Rolle spielen, ein lokales Phänomen ist ausgeschlossen.





