Nachtfalter

Die meisten Nachtfalter (ein auf nächtlicher Aktivität beruhender Zusammenschluss von unterschiedlichen Schmetterlingsfamilien und keine systematische Einheit) haben sich an ein nächtliches, verstecktes Leben angepasst.

Eilema albicosta

Da sie den Tag schlafend verbringen, sind sie oft gut an Rinden- oder Bodentönungen angepasst. Sie können recht gut hören, vor allem auch im Ultraschallbereich. Spüren sie die mit Sonar ausgerüsteten Fledermäuse in der Nähe, die ihre Beute im Flug fangen, lassen sie sich zu Boden gleiten.

Zu den Bärenspinnern (Familie Arctiidae) gehören Utetheisa pulchela und Eilema albicosta. Sie können mit an der Mittelbrust sitzenden Tympanalorganen Ultraschallgeräusche produzieren, die scheinbar vor Fledermäusen schützen. Die Raupen ernähren sich zum Teil von giftigen Pflanzen und machen mit auffälliger Färbung darauf aufmerksam.

Kiefernspanner (Macaronesia afortunata)

Zur den Trägspinnern (Familie Lymantriidae) gehören einige Schädlinge. Hier tritt der den Streckfüssen verwandte Makaronesenkiefernspinner (Makaronesia afortunata oder, neuer Calliteara fortunata) auf. Alle paar Jahre kommt es zu einer Massenentwicklung, bei der die Raupen dieser Art massiv die Kiefernnadeln abfressen. Da kann es schon mal nach saurem Regen aussehen. Schon nach wenigen Monaten schlagen die fast kahlen Kiefern wieder aus. Diese Spinner stehen den in Deutschland recht bekannten Prozessionsspinnern nahe, welche auf den Kanaren nicht vorkommen.

Wolfsmilchschwärmer (Hyles tithymali)

In der Familie der Schwärmer (Sphyngidae, 6 Arten) tauchen auf den Kanaren einige sehr interessante Arten auf, deren riesige Raupen man gelegentlich beim Fressen auf ihren Wirtspflanzen beobachten kann. Der Kanarische Wolfsmilchschwärmer (Hyles tithymali, esfinge de las tabaibas, Spannweite 54 – 70 mm, die Raupe misst 8 cm) frisst an den einheimischen Wolfsmilchgewächsen und am einjährigen Bingelkraut.

Totenkopfschwärmer Acherontia (Leopoldo Moro)

Die fantasievoll gefärbte Raupe des Totenkopfschwärmers (Acheronthia atropos, Esfinge de la Calavera, 70 – 100 mm, Raupe bis 14 cm!), deren Name sich von der kuriosen Zeichnung auf dem Nackenschild des ausgewachsenen Schmetterlings ableitet, ist gelegentlich auf Tabakpflanzen zu sehen. Die Erwachsenen haben nur einen kurzen kräftigen Rüssel, der es ihnen aber erlaubt, Bienenwaben anzustechen, um den Honig auszusaugen.

Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum)

Wenn Sie mal den Eindruck haben, gerade einen kleinen Kolibri gesehen zu haben, dann dürfte es wohl ein Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum, 36 – 50 mm) gewesen sein. Es fliegt mit sehr schnellem Flügelschlag Blüten frontal an, um dann im Flug seine lange Zunge auszustrecken und den Nektar zu schlecken. Im Foto sind die orangebraunen Hinterflügel deutlich erkennbar. Tatsächlich braucht es mehr als sein Eigengewicht an Nektar, um seinen täglichen Energiebedarf zu decken. Im Gegensatz zu anderen Familienmitgliedern ist das Taubenschwänzchen tagaktiv.

Eulenfalter sp. (Foto: Leopoldo Moro)

Die Eulenfalter (Familie Noctuidae) bilden eine sehr grosse Familie mit weit über 100 Arten auf den Kanaren. Die meisten von ihnen haben einen breiten Kopf, sind gut getarnt, relativ gross und robust. Einige legen in der Ruheposition die Flügel seitlich zusammen und bekommen so eine schmalere Gesamtform. Die Gamma-Eule (Autographa gamma) ist an der Flügelzeichnung mit dem g recht leicht zu erkennen. Da sie auch am Tag gelegentlich fliegt, dürfte sie eine der wenigen Arten sein, die wir hier draussen erleben können, es sei denn, wir gehen nachts mit dem Netz los.