Forschung

Auch wenn die Cetaceen gross sind, ist es schwierig, sie zu untersuchen, da sie sich die meiste Zeit unserer Beobachtung entziehen. Ein Dank an die Organisationen, die sich ihrer Erforschung auf den Kanaren widmen.

Seit 1993 arbeitet die SECAC (Gesellschaft zum Studium der Cetaceen der Kanarischen Inseln) an Studien über die Präsenz, Verbreitung, Nutzung der Lebensräume, Häufigkeit, Sozioökologie, und Konservierungsstatus der Cetaceen auf den Kanarischen Inseln.

Im Moment konzentrieren sie sich auf die Populationen des Grossen Tümmler (Tursiops truncatus), des Pilotwales (Globicephala macrorhyncus), des Rundkopfdelfínes (Grampus griseus), der Schnabelwale (Fam. Ziphiidae) und des Rauhzahndelfines (Steno bredanensis). Dafür nutzen sie Methoden wie z. B. Teledetektion, Ökosonden, Studien des Lebensraumes, Aufzeichnung des Tauchprofiles mittels TDR (siehe unten), Fotoidentifikation (individuelle Erkennung nach fotografischer Analyse von Form und Kratzern oder Kerben in der Rückenflosse), Analyse des Mageninhaltes und des genetischen Profils.

Ausserdem ist die SECAC beteiligt an Projekten mit internationaler Kooperation wie Europhlukes (europäische Datenbasis für Fotoidentifikation vor allem der Pottwale) und Macetus, in dem in Zusammenarbeit mit Madeira und den Azoren Vergleiche von genetischen und verhaltensbiologischen Untersuchungen und Verbreitungsdaten von vier Arten im Jahr 2004 und 2005 erarbeitet wurden.

Im Jahr 2005 hat die SECAC auf Lanzarote zusammen mit Puerto Calero das Cetaceen-Museum auf Lanzarote eröffnet. www.cetáceos.org. 2016 wurde das Museum geschlossen.

Mitarbeiter der Universität La Laguna erarbeiten Studien über die Verteilung und Häufigkeit, Verhalten und Ernährung der Schnabelwale bei El Hierro und der Grossen Tümmler und Pilotwale bei Teneriffa. In Zusammenarbeit mit dem Ozeanografischen Institut von Woods Hole haben sie Pilotwale auf Teneriffa und Schnabelwale bei El Hierro mit TDR markiert. Die torpedoartigen, mit Saugnäpfen befestigten Sender beinhalten Ausrüstung zur Messung des Druckes (und damit der Tiefe), Beschleunigung in drei Ebenen und ein breites Spektrum von Wellenlängen. So war es ihnen möglich, die Frequenz der Flossenschläge (bei einer Messung sogar des Herzschlages) zu messen und die produzierten Geräusche und deren Echo vom Boden, den Gruppenmitgliedern und Beutetieren aufzunehmen. So konnte beispielsweise festgestellt werden, dass bei den Schnabelwalen auch die Jungtiere in grosse Tiefen abtauchen, während dies bei Pilotwalen nicht der Fall ist. Der Sender löst sich nach max. etwa 20 Stunden und wird sichergestellt.

In der Grafik sehen Sie die Tauchtiefen eines Pilotwales im zeitlichen Verlauf. Die Farbe der Linie markiert die Geschwindigkeit beim Abtauchen, die dazugehörige Skala befindet sich auf der rechten Seite. Die gestrichelte, senkrechte Linie markiert den Sonnenuntergang. Die schwarzen Ringe zeigen, wann Klicks zur Lokalisierung von Beutetieren aufgenommen werden konnten. Die Resultate werden im Text auf Seite 29 nur zum Teil diskutiert (mit freundlicher Genehmigung von Natacha Aguilar, Universidad de La Laguna, Doktorarbeit, 2006).

In der Universität von Las Palmas de Gran Canaria wird unter anderem an Studien über Todes- und Krankheitsursachen wie Parasiten, Wasserverschmutzung, Kollisionen, etc. gearbeitet, insbesondere, wenn diese mit menschlichen Aktivitäten in Zusammenhang stehen. So wurde hier beispielsweise die Präsenz von Gasbläschen in den Geweben der Schnabelwale entdeckt, die nach den NATO-Manövern vor Fuerteventura gestrandet waren (die Gasblasen führen zu Schäden an inneren Organen und teilweise zum Tod). Diese Bläschen bilden sich entweder als direkte Folge des Einsatzes von starken Sonaren oder durch unangebrachtes Tauchverhalten der Tiere, wenn sie beispielsweise in grosser Tiefe erschreckt werden und zu lange in der Tiefe bleiben oder den Aufstieg zu schnell angehen. Ausserdem wurden extreme Schäden am Innenohr der Tiere festgestellt.

Bei Canarias Conservación beschäftigt man sich mit Studien über die Verbreitung, das Verhalten, die Nutzung des Lebensraumes und den Konservierungsstatus der verschiedenen Cetaceenarten. Auch werden Populationsgrössen bestimmt und Daten über die gestrandeten Tiere der Provinz von Santa Cruz de Tenerife gesammelt. Ausserdem stellen sie Cetaceenskelette für Museen zu Verfügung und betreiben Aufklärungsarbeit an Schulen. Canariasconservacion.org

M.E.E.R. e. V. ist ein deutscher Verein, der Studien über die Verbreitung und das Verhalten von Cetaceen in La Gomera durchführt und sich der Einrichtung eines Schutzgebietes vor der Insel verschrieben hat. Man beschäftigt sich u. a. mit dem spezifischen, bootsbezogenen Verhalten der unterschiedlichen Arten und mit Bedrohungen durch Kollisionen. Seit 20 Jahren werden hier auf Walbeobachtungsbooten kontinuierlich Daten aufgenommen. In Valle Gran Rey befindet sich in den Einrichtungen von „Oceano La Gomera“ ein Infomationszentrum über Cetaceen. Bei dieser Organisation kann man an verhaltensbiologischen Praktika teilnehmen, die von einem kleinen Fischerboot aus, das jetzt als Walbeobachtungsboot arbeitet, betrieben werden.

Ich habe hauptsächlich die alteingesessenen Organisationen erwähnt, weil ich die Leute kenne. Weitere Informationen bietet zum Beispiel Tonina: http://asociaciontonina.com/