Meeresvögel

Spontan denkt man bei Meeresvögeln an Möwen. Knapp vorbei. Echte Meeresvögel, wie die hier häufigen Sturmtaucher, können sich ständig auf dem Meer aufhalten, ohne mit dem Salz Probleme zu bekommen.

Detail Röhrennase

Die Ordnung der Röhrennasen umfasst z. B. die Albatrosse und die Sturmvögel. Zu den letzteren gehören die auf den Kanaren sehr häufigen Gelbschnabelsturmtaucher.

Alle Mitglieder dieser Ordnung sind in der Lage, mit einem Organ auf der Schnabelbasis Salz zu konzentrieren und auszuscheiden. Das versetzt sie in die Lage, sich komplett auf dem Meer ernähren zu können. Die gerade flügge gewordenen Jungvögel verbringen entsprechend die ersten Jahre auf dem Meer. Nur zum Brüten kommen sie später an die Küste zurück, um ihre Eier in unzugänglichen Klippen in Höhlen zu legen.

Detail Abflug

Bei einer Bootsfahrt auf dem offenen Wasser oder einem Blick aufs Meer durchs Fernglas werden Sie hauptsächlich die Gelbschnabelsturmtaucher (in neueren Beschreibungen Sepiasturmtaucher, Calonectris diomedea borealis) beobachten können. Hier wird diese Vogelart “Pardela cenicienta”, oder “Guañaguaña” genannt. Etwa 30.000 Paare sollen auf den Kanaren nisten.

Elegant gleiten sie direkt oberhalb der Wasseroberfläche oder nutzen die Winde zwischen den Wellen, um auf ihnen regelrecht zu surfen. In erster Linie jagen sie auf dem offenen Meer kleine Meeresbewohner (wie z. B. den fliegenden Fisch). Vor allem, wenn diese von unten von Delfinen oder Raubfischen gegen die Barriere der Oberfläche gedrängt werden, stossen die Vögel von oben ins Wasser herab und tauchen nach ihnen.

Ansammlung von Sturmtauchern

Vor dem Sonnenuntergang versammeln sie sich zahlreich in Gruppen zu sogenannten “Flössen” (balsas) um dann nach Einbruch der Dunkelheit zu ihren Schlafplätzen in den Klippen und Schluchten zu fliegen, wo sich ihre Brutkolonnien befinden. Dann können Sie die geisterhaften Geräusche dieser Tiere hören und die hellen Silhouetten gegen den dunklen Nachthimmel ausmachen.

Die etwa 45 – 50 cm grossen (Spannweite 115 cm) und bis zu 800 Gramm schweren Gelbschnabelsturmtaucher brüten jeweils ein Küken in ihren Höhlennestern in unzugänglichen Klippen aus. Zur Brutpflege wechseln sich die Eltern mit einem Rhythmus von mehreren Tagen bis zu einer Woche ab. Der jeweils jagende Teil fliegt meist zur afrikanischen Küste, um sich in den reichhaltigen Uppwelling Zonen zu

Detail Flug

ernähren. Ende Oktober und Anfang November werden die Jungvögel flügge, nachdem ihre Eltern bereits einen Monat früher aufs Meer zurückgekehrt sind. Die mit einer dicken Speckschicht versehenen Jungen bleiben in der Klippe zurück und machen sich unabhängig auf den Weg zum Wasser, wahrscheinlich, wenn der Hunger sie treibt. Viele erreichen das Meer nur mit mehreren Flugversuchen und landen, wahrscheinlich oft von hellem Licht geblendet, in Hotelanlagen und auf Strassen, wo möglicherweise Katzen oder Autos unbekannte Gefahren darstellen.

Zwischen Oktober und November ziehen unsere Sturmtaucher auf den Südatlantik, um dort den Winter zu verbringen (Flugrouten der Sturmtaucher). Ab Februar sind sie mit ihrem kennzeichnenden Geschrei schon wieder zu vernehmen.

In den langen Flugphasen, sowohl auf den Nahrungsflügen, als auch auf den langen Reisen in den Süden, sind Sturmtaucher und andere Meeresvögel auf kontinuierliche Winde angewiesen, um im Segelflug mit weniger Energie arbeiten zu können. Ausserdem müssen sie in der Lage sein, sich im Flug auszuruhen, weshalb man glaubt, dass sie in der Lage sind, im sogenannten „interhemisphärischen Schlaf“ jeweils mit nur einer Gehirnhälfte zu arbeiten. Die andere kann sozusagen heruntergefahren werden und ruhen.

Kappensturmtaucher (Puffinus gravis)

Da sich Sturmtaucher von allem ernähren, was sich an der Oberfläche aufhält, sind sie besonders anfällig für grosse Konzentrationen von Plastikmüll.

Neben dem Gelbschnabelsturmtaucher sind auch die Atlantiksturmtaucher (Puffinus puffinus) noch mit gewisser Regelmässigkeit zu beobachten. Sie haben einen dunkelgrauen Schnabel und ein helles „Kinn“. Noch seltener sieht man den Kappensturmtaucher (auch Grosser Sturmtaucher Puffinus gravis), bei dem die Trennung in eine dunkle Kappe und eine helle Kopfunterseite noch ausgeprägter ist.

Ausserdem können Sie auf dem Meer verschiedenen anderen Arten aus der Familie der Sturmvögel und Sturmschwalben begegnen.